1. Internationalisierungsstrategien von Banken
Grosse Bankenzusammenschlüsse sind meist eine rein nationale Angelegenheit. So zeigt Jean Dermine von der französischen Business School INSEAD auf, dass zwischen 1990 und 1999 nur 23% der M&A Aktivitäten im europäischen Bankensektor länderübergreifend waren. Bekannte Beispiele dafür sind die Übernahme der britischen Investmentbank Morgan Grenfell durch die Deutsche Bank, oder der Kauf der Crédit Commercial de France (CCF) durch die britische HSBC. Europäische Grossbanken wenden unterschiedliche Strategien zur Internationalisierung an: von oragnischem Wachstum durch eigene Filialen zu internationalen Kooperationen, Beteiligungen und Übernahmen von Instituten in den Zielmärkten. Es gibt keinen "one size fits all" Ansatz zur Internationalisierung. Unsere Daten zeigen, dass sich die Finanzdienstleister mit dem Thema des Aufbaus einer internationalen Präsenz auseinandersetzen und firmenspezifische Lösungen implementieren.
Forschungsfragen:
- Warum sollen Banken internationalisieren?
- Welchen Einfluss hat die Internationalisierung auf die Profitabilität von Banken?
- Wie wählen Finanzdienstleister ihre Zielmärkte aus? Wie entscheiden sie sich für eine Markteintrittsform?
- Wie soll die Organisationsstruktur des multinationalen Finanzdienstleisters gestaltet werden?
- Wird es in Zukunft noch rein nationale Retail-Banken (optimale Betriebsgröße) geben?
- Welches sind die Grenzen der Internationalisierung (Limits to Growth)?
- Mit welchen Internationalisierungsstrategien waren Banken bisher erfolgreich?
- Welche Strategien versprechen in Zukunft Erfolg für die Internationalisierung im Finanzwirtschaftssektor?
2. Service Innovationen im Finanzdienstleistungssektor
Im Mittelpunkt dieses Forschungsprojekts steht die Untersuchung von Innovationen im Finanzbereich mit den drei Prozessphasen Erfindung (inklusive beeinflussender Faktoren aus Markt und Firma), Innovation (erstmalige Kommerzionalisierung einer Erfindung), daraus folgender Unternehmenserfolg.
Forschungsfragen:
- Wie kann ein First Mover Advantage für die Finanzinstitute geschaffen und bewahrt/geschützt werden?
- Untersuchung der konkreten Kundenbedürfnisse: Wieviel Innovation ist ideal?
- Welche Innovationen sind gefragt?
- Welche Auswirkungen haben verschiedene Innovationsarten auf die Profitabilität der Finanzdienstleister?
- Wieviel kostet die Innovationsentwicklung und –umsetzung?
- Wie wird ein Innovationsprozess ausgelöst?
- Wie kann eine internationale Firma ihre Präsenz in verschiedenen Ländern im Innovationsprozess optimal ausnützen?
3. Differenzierungsstrategien im Finanzdienstleistungssektor
Die großen Finanzdienstleistungsunternehmen bieten ihren Kunden in der Regel die gleichen Produkte und Dienstleistungen an. Eine Differenzierung vom Wettbewerber findet kaum statt. Große Banken geben durch gleichgerichtete Strategien sogar ihre bisherigen Differenzierungsmerkmale auf. Für den Kunden wird damit das Unternehmen austauschbar.
Forschungsfragen:
- Wie versuchen sich die Finanzdienstleistungsunternehmen gegenwärtig zu differenzieren? Was gibt es für Tendenzen?
- Wie kann Differenzierung gemessen/dargestellt werden? Welcher Wert kann durch Differenzierung geschaffen werden?
- Welcher Grad an Differenzierung muss erreicht werden, damit Erträge und Kosten sich optimal zueinander verhalten und die Potenzialausschöpfung am höchsten ist?
- Was sind Möglichkeiten für eine vielversprechende Differenzierung gegenüber anderen Marktteilnehmern?
4. Möglichkeiten der Wertschöpfung für Konzernzentralen im Finanzbereich
Konzernzentralen müssen sorgfältig abwägen, in welchen Bereichen sie in der Lage sind, Mehrwert zu schaffen anstatt Schaden anzurichten. Es ist fundamental, das richtige Mass an Corporate Involvement zu finden. Idealerweise sollte ein Kompromiss zwischen starker Einflussnahme mit intensiver Kontrolle von Seiten der Konzernzentrale und unbeschränkter Eigenverantwortung auf Geschäftsbereichsebene gefunden werden. Das Ziel dieses Forschungsprojektes ist es, hierzu einen geeigneten Mittelweg zu finden und Vorschläge für dessen Kommunikation zu erarbeiten.
Forschungsfragen:
- In welchen Bereichen und mit welchen Massnahmen können und sollen Konzernzentralen im Finanzdienstleistungssektor Mehrwert schaffen?
- Welche Kombination von Massnahmen verspricht den grössten Erfolg für welche Aufgabe?
- Wie kann die Zentrale eines international tätigen Finanzkonzerns die länderübergreifende Zusammenarbeit unterstützen und verbessern?
5. Post Merger Integration im Finanzsektor
Mehr als 50% aller Transaktionen scheitern, wobei das höchste Risiko in der Integrationsphase des Zusammenschlusses besteht. Die PMI-Phase der M&A Prozessplanung wird auch im Finanzsektor oft unterschätzt, die Credit Suisse Group liefert mit ihrer Versicherungstochter Winterthur seit 7 Jahren ein eindrückliches Beispiel dafür.
Forschungsfragen:
- Wie können mögliche Probleme wirkungsvoll antizipiert werden?
- Wie kann die Planung effizient umgesetzt werden?
- Wie sollen die Mitarbeiter gecoacht werden?
- Welche Indikatoren garantieren eine optimale Zielerreichungskontrolle?
- Welches sind die wichtigsten Anforderungen an die Kapitalmarkt-kommunikation in der PMI-Phase?
- Was ist in der Integrationsphase von M&A Prozessen mit internationalen Mitwirkenden aus dem Finanzbereich besonders zu beachten?
6. Knowledge Management
Knowledge Management hat sich als Forschungsrichtung schon längst etabliert. Gerade im Finanzsektor, wo Information und Wissen wesentliche Produktionsfaktoren sind, gewinnt spezifisches Knowledge Management weiter an Bedeutung, so z.B. Customer Knowledge Management, welches versucht, Synergien der integrierten Anwendung von Wissensmanagement und Customer Relationship Management dazu zu nutzen, die Risiken und Mängel beider Ansätze zu vermindern. Ein weiterer Ansatz ist die Integration von Prozess- und Wissensmanagement zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit.
Forschungsfragen:
- Mit welchen Massnahmen kann der Wissensfluss gesteuert und beschleunigt werden?
- In welchen Sektoren kann die Produktivität durch gezielte Knowledge Management-Massnahmen weiter erhöht werden?
- Welche konkreten Massnahmen (z.B. Anpassungen im IT-Bereich) müssen dazu ergriffen werden?
- Wie können die positiven finanziellen Auswirkungen von Knowledge Management sicht- und messbar gemacht werden?
- Wie können neue Trends und Best-Practice-Beispiele, die von überregionalem Interesse sind, aufgegriffen und gruppenintern publiziert werden?